Epilepsie

1. Beschreibung des Krankheitsbildes

Der Begriff Epilepsie wird meist mit den so genannten „Grand – Mal – Anfällen“ (großer epileptischer Anfall) verbunden, es gibt aber eine Reihe weniger dramatischer Anfälle, die häufiger auftreten:

Fokale (Herd-) Anfälle (50 – 60 % aller Epilepsien)

Diese Anfälle treten meist als Folge einer Erkrankung oder Schädigung des Gehirns (z.B. Hirnschädigung bei der Geburt, Entzündungen oder Verletzungen des Gehirns, Tumoren) auf.

Die Anfälle gehen vom betroffenen Gehirnareal aus.

Einfache fokale Anfälle äußern sich in motorische Symptomen (z.B. halbseitigen Zuckungen), sensorischen Symptomen wie z.B. Sehen von Farben, unangenehme Geruchs- und Geschmacksempfindungen, Störung des Gleichgewichtsempfindens, vegetativen Symptomen wie Herzrasen und Schweißausbrüchen und psychischen Symptomen wie Wutausbrüchen, Halluzinationen, Deja vu – Erlebnissen, sowie in Mischformen der Symptome. Charakteristisch ist, dass dabei das Bewusstsein erhalten bleibt.

Komplex-fokale Anfälle können durch verschiedene Missempfindungen eingeleitet werden. Sie sind durch Bewusstseinsstörungen, Automatismen und Gefühlsausbrüche gekennzeichnet. Muskelverspannungen und -verkrampfungen, Wendebewegungen von Kopf und Augen und weitere Symptome können hinzukommen. 

Absencen (Abwesenheit) sind kurze, abrupt beginnende Bewusstseinsstörungen. Dabei wird die Tätigkeit, die gerade ausgeübt wurde, unterbrochen, der Blick ist bei geöffneten Augen starr geradeaus oder nach oben gerichtet. Bei komplexen Absencen können unwillkürliche Muskelbewegungen dazukommen.

Grand Mal: großer epileptischer Anfall:

Ein typischer Grand-Mal Anfall verläuft in mehreren Phasen:

- Vorgefühl (Aura)
- Bewusstseinsverlust, eventuell verbunden mit Schreien, Gefahr von Stürzen und Verletzungen.- Tonische Krampfphase (Muskelanspannung)
- Klonische Krampfphase (Muskelzuckungen)
- Postkonvulsive Phase (Schlafphase, Dämmerzustand)

Gefährlich ist der Grand Mal- Status. Dabei endet der Grand mal-Anfall nicht, bzw. es folgen mehrere solche Anfälle direkt aufeinander, was bis zu 30 Minuten dauern kann. Dies ist eine lebensbedrohende Situation und birgt die Gefahr, dass durch Zerstörung von Gehirnzellen eine geistige Behinderung entsteht. Ein Status muss schnellstmöglich von einem Arzt unterbrochen werden.

Es gibt andere, seltenere Epilepsie-Formen, von denen vor allem Landau-Kleffner für Schule und Kindergarten von Interesse ist.

2. Schulalltag und Empfehlungen für den Pädagogen

Die weitaus meisten betroffenen Schüler unterscheiden sich zwischen den Anfällen durch nichts von ihren Altersgenossen. Es ist aber zu beachten, dass ein chronisch krankes Kind krankheitsbedingt mitunter häufig dem Unterricht fernbleiben muss.

Bei einem Krampfanfall gilt es vor allem, Ruhe zu bewahren und die Mitschüler aufzufordern, ebenfalls ruhig zu bleiben. Achten Sie darauf, dass der Schüler frei atmen kann und sich nicht verletzt. Auf keinen Fall sollten Sie den Schüler festhalten oder beatmen. Warten Sie ab, bis der Anfall von alleine aufhört und geben Sie dem Schüler dann Gelegenheit, sich auszuruhen. Wenn der Schüler länger als 5 Minuten krampft oder zuckt oder sich mehrere Anfälle in kurzen Abständen wiederholen, sollten Sie einen Arzt rufen. Versuchen Sie nicht, den Kiefer zu öffnen, etwas in den Mund zu zwängen oder auf andere Art den Anfall zu stoppen.

Bei Absencen ist ein Eingreifen nicht nötig. Bei psychomotorischen Anfällen reicht es aus, die Entwicklung des Anfalls sorgfältig zu beobachten. Halten Sie den Schüler nicht fest, und versuchen Sie nicht, seine Aktivitäten zu stoppen, es sei denn er bringt sich oder andere in gefährliche Situationen.

Da an Epilepsie erkrankte Schüler oft anfallshemmende Medikamente einnehmen müssen, können Nebenwirkungen wie schnelle Ermüdbarkeit oder Konzentrationsstörungen auftreten. Beobachtungen in dieser Richtung sollten Sie der Familie und gegebenenfalls dem behandelnden Arzt rückmelden. Sehr bewährt hat sich das Tragen eines Notfallausweises zur Übergabe an den behandelnden Sanitäter oder Notarzt. Hierin sollten Anfallsart und Behandlung für den Schüler beschrieben sein.

Bei der Epilepsie-Form „Landau-Kleffner“werden bei Kindern im Vorschul- oder Grundschulalter die Hirnfunktionen, die für das Sprachverständnis und den sprachlichen Ausdruck zuständig sind, gestört. Die Kinder fallen bei vorher normaler Sprachentwicklung in eine Art Babysprache zurück und verstehen sprachliche Äußerungen nur noch sehr eingeschränkt. Landau-Kleffner wird oft mit Hörproblemen verwechselt. Kinder mit Verdacht auf Landau-Kleffner müssen unbedingt einem Kinderneurologen vorgestellt werden. Schulisch oder außerschulisch sollte durch Sprachförderung so viel wie möglich von der Sprache erhalten werden. Im Unterricht muss jeweils geklärt werden, ob das Kind überhaupt verstanden hat, worum es geht und was es tun soll.

3. Weitere Informationen

Deutsche Epilepsievereinigung

Zillestraße 102
10585 Berlin
Tel. 030-3424414

www.epilepsie.ch
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