Selektiver Mutismus

1. Beschreibung des Krankheitsbildes

Der Begriff Mutismus leitet sich vom lateinischen „mutus“ für „stumm“ ab und beschreibt das beharrliche, angstbedingte Schweigen eines Menschen, das sich im Laufe der Zeit verstärkt und schließlich kaum noch willentlich gesteuert werden kann. Ein Defekt der Sprachorgane oder des Gehörs als Ursache liegt dabei nicht vor. Man unterscheidet zwischen dem eher selten auftretenden „totalen Mutismus“ und dem „selektiven Mutismus“. Bei einem „totalen Mutismus“ sprechen die Betroffenen gar nicht, bei einem „selektiven Mutismus“ ist die lautsprachliche Kommunikation mit einem bestimmten Personenkreis gehemmt während die Betroffenen mit vertrauten Bezugspersonen normal kommunizieren. Es gibt verschiedene Erklärungsansätze für den selektiven Mutismus. Auftreten und Erscheinungsbild des Mutismus deuten auf ein erlerntes Verhalten hin. Auslöser, bzw. das Krankheitsbild begünstigende Faktoren können die Trennung von engen Bezugspersonen, häufiger Wohnortswechsel, soziale Isolation der Familie und / oder übermäßige Schüchternheit und Ängstlichkeit sein. Merkmale des selektiven Mutismus können sein:

  • das Schweigen besteht länger als vier Wochen
  • das Kind / der Jugendliche wirkt ausgesprochen sensibel auf allen Ebenen
  • das Kind / der Jugendliche spricht nur in bestimmten Situationen nicht, mit vertrauten Personen spricht er normal und / oder redet dort sogar sehr viel (Nachholbedarf)
  • in den Situationen, in denen das Kind / der Jugendliche verstummt, wird die Körperhaltung, der Blick und der Gesichtsausdruck starr und das Kind / der Jugendliche wirkt wie paralysiert
  • das Nicht-Sprechen wird in der Schule oft durch gute schriftliche Leistungen kompensiert

2. Schulalltag und Empfehlungen für Pädagogen

Empfehlen Sie eine sprachtherapeutische Untersuchung des Kindes / Jugendlichen. Hierzu ist eine Heilmittelverordnung über Sprachtherapie nötig, die vom behandelnden Kinderarzt oder einem HNO – Arzt ausgestellt wird. Es handelt sich um eine Sprachentwicklungsverzögerung, der Indikationsschlüssel SP1 muss auf der Verordnung angegeben sein. Die Kosten für die Therapie werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen und von Sprach-therapeuten (Logopäden, Sprachbehindertenpädagogen oder Atem-, Sprech- und Stimm- lehrern) durchgeführt. Im Unterrichtsalltag sollten Pädagogen darauf achten, welche nonverbalen Kommunikationsmittel das Kind / der Jugendliche nutzt, ob es beim Schweigen Ausnahmen gibt, wie andere auf das Schweigen reagieren, was das Kind / der Jugendliche gerne macht etc. Allgemein sollte eine Balance dabei gefunden werden, das Kind / den Jugendlichen einerseits nicht in den Mittelpunkt zu stellen, wodurch die Angst vor Sprechanlässen nur verstärkt würde, und andererseits das Kind / den Jugendlichen best- möglich in das Unterrichtsgeschehen und die Klassengemeinschaft einzubeziehen. Gegebenenfalls muss überlegt werden, wie über den Nachteilsausgleich die krankheitsbedingt eingeschränkten  mündlichen Leistungen durch andere Formen ersetzt werden können. Auf keinen Fall sollte Druck oder Zwang ausgeübt werden, um das Kind / den Jugendlichen zum Sprechen zu bewegen, da dies zu einer Verschlimmerung und Verfestigung der Symptomatik führen kann.

3. Weitere Informationen

www.selektiver-mutismus.de

www.dgkjp.de

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