Selbstverletzendes Verhalten

1. Beschreibung des Krankheitsbildes

Unter selbstverletzendem Verhalten versteht man Handlungen, die bewusst gegen den eigenen Körper gerichtet sind und durch die sich die Betroffenen wiederholt und über längere Zeiträume hinweg Schmerzen und Verletzungen zufügen. Das Verhalten beginnt meist in der Pubertät und kann bis ins Erwachsenenalter andauern. Es scheint festzustehen, dass keine Selbsttötungsabsicht besteht, sondern, dass es sich um einen Hilferuf handelt, hinter dem sich traumatische Erfahrungen wie sexueller Missbrauch, körperliche oder seelische Gewalt, große Einsamkeit, oder gravierende Vernachlässigung verbergen können. Es kann auch als Symptom einer Borderline Persönlichkeitsstörung, einer Posttraumatischen Belastungsstörung oder einer Dissoziativen Identitätsstörung auftreten. Erscheinungsformen des selbstverletzenden Verhaltens sind unter anderem:

  • Schneiden, Ritzen oder Kratzen der Haut, Offenhalten bestehender Wunden
  • Verbrennen oder Verbrühen mit heißem Wasser, Bügeleisen u.a.
  • Exzessives Nägelkauen, Nagelbettreißen oder sich in die Finger beißen
  • Verätzen der Haut mit Chemikalien
  • Einnahme nicht tödlicher Mengen giftiger Substanzen oder Verschlucken von Gegenständen
  • Ausreißen von Haaren
  • Schlagen des Kopfes gegen Wände oder andere harte Oberflächen

Durch die traumatischen Erfahrungen, denen sich die Betroffenen ausgeliefert erlebten, sind sie auch später ständig in Gefahr, von Zuständen innerer Leere, Spannungszuständen, Stillstand, Trauer, völliger Hoffnungslosigkeit, Hass oder Selbsthass überflutet zu werden. Die Selbstverletzungen haben die Funktion, die Überflutung mit seelischen Deprivations- erlebnissen zu verhindern, bzw. von ihnen abzulenken. Kämpfen die Betroffenen gegen ihre Impulse zur Selbstverletzung an, können die seelischen Zustände sich so steigern, dass sie als unerträglich erlebt werden.

2. Schulalltag und Empfehlungen für Pädagogen

Selbstverletzendes Verhalten ist für den Pädagogen im Schulalltag nicht leicht zu bemerken. Die Betroffenen schämen sich in der Regel für ihr Verhalten und fürchten, nicht verstanden und abgelehnt zu werden. Sie verbergen daher ihr Verhalten und vorhandene Narben meist gut. Selbstverletzendes Verhalten weist immer auf große seelische Not und Probleme hin, die der Schüler / die Schülerin alleine nicht bewältigen kann. Auf keinen Fall sollte man mit Vorwürfen oder Ermahnungen reagieren oder das Verhalten als „verrückt“ oder „krank“ bewerten. Die SchülerInnen müssen erleben können, dass man Sie ernst nimmt, sich um sie sorgt und helfen will. Diese Unterstützung sollte auch dann aufrecht erhalten werden, wenn der Schüler / die Schülerin zunächst „dicht“ macht und nicht gesprächsbereit ist. Die betroffenen Jugendlichen brauchen verstärkt Beachtung, Zeit, Anteilnahme und Anerkennung ohne die Erwartung, dass sich das selbstverletzende Verhalten dadurch sofort verändert. Bei fortwährendem selbstverletzendem Verhalten ist therapeutische Hilfe notwendig – oft zunächst stationär mit anschließender ambulanter Behandlung.

3. Weitere Informationen

www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de

www.elternimnetz.de

www.dgkjp.de

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